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AMPLIFIER: Trippin´ With Dr Faustus

( Rockosmos/ Al!ve) Es ist doch unfair…Amplifier aus Manchester sind durchaus eine geachtete Band, nur irgendwie haben ziemlich viele Leute an jedem neuen Album etwas anderes auszusetzen. Da war das ambitionierte „The Octopus“ zu ausladend und selbstverliebt, das kompaktere „Mystoria“ dann wieder nicht komplex genug. Für viele ist halt das Debüt nach wie vor der Gradmesser für neue Amplifier-Platten.

Da ist es schon bemerkenswert, wie selbstbewusst die Briten ihr neuestes Werk in Anfriff nehmen. Absolut keine Verunsicherungen oder Zögerlichkeiten sind zu spüren, wenn dieses Album raumgreifende Schritte in Richtung Rockhimmel unternimmt. Die Riffs sind spektakulär und gut durchblutet, das Schlagzeugspiel macht ordentlich Druck und da ist ja auch noch Songschreiber; Gitarrist und Frontmann Sal Balamir. Ob er ein zwingendes Gitarrensolo nach dem anderen hervorzaubert oder ob er mit seinem wandelbaren Gesang( von falsettiertem Säuseln bis kehligem croonen ist alles drin) die Stücke in die gewünschte Richtung treibt, so gut wie jede musikalische Handlung erscheint zwingend und folgerichtig.

Damit erschaffen Amplifier etwas, das es eigentlich nicht gibt, ein straightes Prog-Album, verspielt und manchmal auch vertrackt, das ja, aber immer eingängig und mitreißend. Wenn einen direkt zu Beginn Zeilen wie „do not delay/ morning is waiting/ to take you away/ on a ride to the heavens“ begrüßen und dazu die Riffwalze mächtig loslegt, kann das peinlich wirken, zeugt in diesem Falle aber von einer selbstbewussten Gesundheit dieser Band. Wie auf kraftvoll motorisierten Schwingen gleites dieser Song dahin und präsentiert sich so als perfekter Opener für dieses Album. Im Zusammenwirken mit Gastsängerin Beth Zeppelin wird das Stück zum Schluss sogar noch einmal ordentlich gepusht.

„Freakzone“ gibt sich ebenfalls dem kraftvollen Dahingleiten anheim, die Drums brodeln, die Gitarren ziehen feine melodische Spuren durch die Dunkelheit und das Stück kann nur mühsam die Kraft bündeln, die sich da angestaut hat. Aber auch dieser Song verschreibt sich einer positiven Wirkungsmacht, es rauscht und bollert, doch ist dies eine eher konstruktive, aufbauende Angelegenheit.

Diese Zuversicht zeigt sich auch in „Kosmos“: don´t need no screen/ no map, no compass/ into the kosmos/ upon grooves of triumph“. Dazu stehen die Riffs breitbeinig im Raum, ohne sich jedoch unnötig aufzublasen, die Wucht und der Druck sind natürlich gewachsen. „The Commotion“ ist dann fast schon Prog-Pop, die Gitarren hauen ein fatalistisches Riff raus, der Gesang lässt Erinnerungen an den frühen Peter Gabriel wach werden, ein stoisches aber mitreißendes Stück, welches neben seiner urtümlichen Wucht auch noch Platz für ein bisschen Humor lässt.

Es folgen die beiden einzigen etwas schwächeren Stücke. „Big Daddy“ verheddert sich ein bisschen in seinen Gitarrenexkursionen, ohne den richtigen Zeitpunkt zum Zupacken zu finden, da nützt auch der abermals soulige Gesang von Beth Zeppelin nicht viel. „Horse“ setzt dann auf den Blues, leidet aber darunter, dass sich der Song von einem Break in den nächsten navigiert, ohne dass einmal ein richtiger Fluss aufkommen mag. Diese kurze Phase der Orientierungslosigkeit vergeht aber schnell wieder, wenn das folkige „Anubis“ sich in wunderbar ausformulierte Harmonien hineingleiten lässt und das folgende „Supernova“ mit Glöckchen und Synthies zur großen Rockoper-Gala einlädt.

Den percussiven Winkelzügen von „Silvio“ merkt man dann an, dass das Stück noch ein Überbleibsel aus „Octopus“-Tagen ist, doch entfaltet es ebenso einen Sog wie das abschließende „Old Blue Eyes“.

Somit schafft es das sechste Amplifier-Album fast durchgängig, Eingängigkeit und Komplexität zu verquicken und wird so vielleicht zu der Platte, die aus dem übergroßen Schatten des Erstlings treten kann, endlich!

 

(7,5 / 10)