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BRIGHTNESS: Teething

( Import/ I Oh You) Der Indierock der 80er und 90er hatte diese feine Eigenschaft, auf ein sauberes Klangbild zu pfeifen. Die Instrumente liefen neben der Spur, der Gesang war oftmals ein egales Nuscheln, was dann dazu führte, dass das immanente Hitpotenzial mancher Songs auf schrägem Weg ans Tageslicht geriet.

Der junge Australier Alex Knight greift dieses unbedarfte Umgehen mit den eigenen Songs genüsslich auf, als Brightness präsentiert er ein Album, welches aus lauter kleinen Wiedersprüchen besteht, dabei aber eine berauschende Gesamtwirkung besitzt. Da ist zum Beispiel diese recht dünne, zarte Stimme von Knight. Sie lasiert die Songs eher, als dass sie diese dominieren würde. Dadurch erhalten die Stücke einen jenseitigen, weichen Touch. Der große Ahaeffekt entsteht aber erst in Kombination mit der Instrumentierung. Gerade die elktrisch verstärkten Saiteninstrumente grummeln spröde, knarzen und ächzen mitunter herrlich verquer, ein Schöngeist könnte mit dieser schroffen Anmutung so seine Probleme haben.

Aber gerade mit der lieblichen Stimme von Knight entsteht so eine schwer greifbare Schwebehaltung zwischen kantiger Rockmusik und ätherischer Luftigkeit. Bereits der Opener „Oblivion“ bewegt sich im Grenzgebiet von sommerlicher Leichtigkeit und melancholichem Trübsinn. Hier wird der Schwermut zum Genuss, ein einfachen Gitarrenmotiv wird zum Wegweiser durch die Felder und nicht zum letzten Mal meint man eine Idee von den weiten Landschaften in Knights´Heimat zu erahnen.

Wie eine entspannte Outdoortour erscheint auch „Surrender“ ein weiches Geklöppel kommuniziert mit einer Akustikgitarre, deren Saiten aus Weizenstängeln zu bestehen scheinen. Knight findet dazu eine langmütige Melodie, die einlullt und beruhigt. Diese flirrende Unbedarftheit ist der eine Pol dieser Platte, der andere liegt in der verkaterten Orgel von „Blow Fly“, kaum als solche zu erkennen und unheimlich verzerrt. „Talk To Me“ dagegen betont den filigranen Sanftmut, dazu trinkt man den ersten Milchkaffee des Tages, doch auch dieser Song beherrscht den Trick, mit einer in den Raum grummelnden Gitarre für eine wenig Bedrückung und Schwere zu sorgen.

„Holy John“ gibt sich dann gar nicht erst die Mühe, dem Wohlklang anheimzufallen, Knights Gesang hängt irgendwo im Hintergrund, Gitarre und Bass steuern die tiefen Töne an und man bekommt das Gefühl, das Stück stamme aus einer Unterwasserlandschaft, manchmal, wie im Refrain, erreicht ein Sonnenstrahl das eher düstere Terrain aber meistens gefällt sich das Stück in einer wuchtigen Gleichgültigkeit. Dass die zarte Stimme von Knight sich in „Silver Birch“ in die Schüttelfrostalpträume der Deftones verirrt, irritiert zwar zunächst ein wenig, ergänzt das Gesamtklangbild aber um eine wichtige Note.

Bestechend ist zudem, wie hier auf unaufgeregte Weise Melodien gefunden werden, die sich niemals zu wichtig nehmen, darüber hinaus aber eine unheimlich betörende Wirkung entfalten. Dies funktioniert auch herrlich im akustischen „Waltz“ und der schleppend krachigen Abschlussnummer „Queen Bee“. „Teething“ schafft es trotz einer großen Wandelbarkeit, ein übergeordnetes Gefühl zu erzeugen. Man registriert den angedeuteten Wohlklang, den Willen zur Harmonie, regelrecht genial wird es aber erst, wenn Knight heran geht und seine wohligen Popnummern durch Ächzen und Knarzen, durch eine angenehme Schroffheit mit Leben erfüllt. Und so landet man letztendlich bei der Erkenntnis, dass das Schiefe und Unperfekte ein charmanter Weg ist, um den Kern eines Stückes wirkungsvoll freizulegen.

 

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