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COLOR FILM: Living Arrangements

( Epitaph/ Indigo) Was Daryl Palumbo in Angriff nimmt, hat in der Regel Hand und Fuß. Ob es der moderne Hardcore mit seiner Band Glasjaw war, oder der elektrifizierte Disko-Rock von Head Automatica, immer war man verblüfft, ob der Stilreife und der durchscheinenden Genialität des musikalischen Entwurfs.

Jetzt kommen mit dem neuen Mitstreiter Richard Penzone die Achtziger dran, ohne Schulterpolster, dafür mit jeder Menge Synthies und einer Stimmung, die waghalsig zwischen Euphorie und Verzweiflung pendelt. Wenn in „We´d Kill Each Other“ die Klangfolge von „When The Rain Begins To Fall“ anklingt, weiß man auf der einen Seite zwar Bescheid, wird in dessen Folge aber immer wieder auf dem falschen Fuß erwischt.

„Small Town“ zelebriert „every given saturday“, wehrt sich aber erfolgreich mit knackigem Bass und wunderbar weich angeknackstem Gesang gegen die Tristesse des Kuhkaffs. „Crawling In Circles“ suhlt sich dagen innerhalb eines sehr synthetischen Interieurs hingebungsvoll in der Sehnsucht, wieder assestiert von einem prägnanten Bass. Übrigens ist Palumbos Stimme hier unheimlich geschmeidig in ihrer leidenden Posenhaftigkeit, die wie ein geschmackvoller Witz über allzu engagierte Emotionalität daherkommt.

Auch „Restless Summer“ weiß auf seine Art zu gefallen, künstlich pochende Drums, glattpolierte Effekte aus dem Keyboard und einige Gitarrenwirbel legen die Fährte zu einer beschwingten Turnübung in Aerobic-Anzügen. Doch ab Mitte des Albums büßt „Living Arrangements“ seine Leichtigkeit und damit auch seine vor sich hergetragene Kunsthaftigkeit ein.

„I Need A Parasite“ ist koksgepfefferter Sprechgesang der sich um Spannungsbögen keine großen Gedanken macht und „Bass In 7“ gefällt sich als Prog-Rock-Alptraum der düsteren Sorte, die grelle Schminke verläuft in Schlieren, die Schlagzeugarbeit erschöpft sich in halstarrem Gepumpe und Gebollere und man weiß nun nicht wirklich, welchem Stimmungsumschwung die beiden Herren zum Opfer gefallen sind.

Man weiß nur eins, man ist nun näher an The Cure als an den Talkinh Heads. „Even If It Did Exist“ säuselt sich die Wunden heil, Palumbo steht mit verzweifelter Stimme am Abgrund und die Gitarren, die vorher noch zumeist verspielt über die Tanzfläche sprangen, geben jetzt ein Geleit zum Schafott. Auch die Ballade „Springtime Of Our Love“ wälzt und windet sich durch ein zähes Dickicht, die Melodien ziehen sich sirupartig auseinander und man stellt fest, Hits wollen Color Film hier schon längst nicht mehr landen. An solchen Stellen klingen durchaus die großen Circa Survive an und damit ist man vom Ausgangspunkt, farbenfrohem Eighties Pop, inzwischen meilenweit entfernt.

 

(7 / 10)