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EX EYE: Ex Eye

( Relapse/ Rough Trade) Es gibt Kombinationen, die erscheinen zu abwegig, als dass sie funktionieren könnten. Doch sind es gerde diese, welche am Ende zu gehobener Verzückung führen. Da tut sich der Avantgarde-Saxophonist Colin Stetson mit Liturgy-Drummer Greg Fox zusammen, erweitert wird das Duo um Synthies und Gitarre und schon ergibt sich eine Gemengelage, aus der ein großer Triumph erwächst.

Besonders die zwei ersten Stücke auf dem selbstbetitelten Album mähen erst mal alles nieder, was im Weg steht. Ex Eye etablieren eine intelligente Aggressivität, die variantenreich und kontrolliert zur Attacke bläst. Das Schlagzeugspiel von Fox setzt sich aus in tausend Einheiten zersplitterter Wucht zusammen, jeder versierte Schlag drängt in eine andere Richtung, ergibt aber im Ganzen ein gewaltiges Fundament. Zu beachten ist auch die Gitarrenwerkelei von Toby Summerfield. Dieser scheint seine Riffs zu Beginn von „Opposition/Perihelion; The Coil“ von der Kreissäge in unzählige Partikel zerlegen zu lassen, wie ein Mosaik setzen sich diese jedoch zu einer eindrucksvollen Gesamtfigur zusammen. Im selben Stück zaubert Summerfield dann im Kontrast dazu eine fast weiche, elegische Gitarrenmelodie aufs Parkett, Vielfalt ist Trumph.

Und dann müssen wir natürlich über Stetsons Saxophon-Spiel sprechen. Dieses wirkt ebenfalls unheimlich beweglich, die einzelnen Töne schwirren wie ein Schwarm angriffslustiger Wespen um die Stückskelette herum, verbreiten einen erdigen Touch von Jazz, verweigern sich damit auch jeglicher akademischen Noblesse und bereiten dem Hörer das manchmal unangenehme Gefühl, dass ständig eine Katastrophe hereinbrechen könnte.

Das dritte Stücke „Anaitis Hymnal; The Arcose Disk“ verbreitet dann etwas mittelbarer sein Unbehagen. Der ganz große Druck ist verschwunden, obwohl Fox auch hier einen einzigen Strudel aus wilden Drumbeats erzeugt, doch liegt der Focus hier eher auf den atmosphärischen Möglichkeiten des grimmigen Saxophons von Stetson. Dieses Stück lässt sich Zeit, bleibt länger in der Schwebe, wie eine am fernen Horizont aufziehende Bedrohung, deren größtes Potential in der Androhung liegt, nicht in der Ausführung der maximalen Brachialität.

„From Constant; The Grid“ legt dann wieder merklich zu, ein Strudel aus giftigen Sax-Tönen bereitet den Weg, hier nehmen die Synthies von Shahzad Ismaily die Aufgabe war, für stimmungsvolle Ausleuchtung des Terrains zu sorgen, die Gitarre spielt sich meditativ in das Stück hinein, bevor Schlagzeug und diesmal tief tönende Synthies für Verdunklung sorgen.

Greg Fox wirbelt sich in Folge dessen in einen katharsischen Strudel hinein und dann bricht wieder diese gut geölte Einheit der vier Musiker zu einer heavy Entdeckungsreise auf, Saxophon, Schlagzeug, Gitarre und Synthies vereinigen sich zu einer wilden Treibjagd durchs Unterholz, trillieren, explodieren, schmelzen wieder zusammen, ein großer musikalischer Parcours, der fantasievoll und mit Nachdruck beschritten wird.

 

(8 / 10)