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HAIM: Something To Tell You

( Vertigo/ Universal) Die drei Mädels von Haim sind ein Kuriosum der Popwelt. Wie schafft es eine Band, die ohne groß aufzufallen im ZDF-Fernsehgarten auftreten könnte, auf den Playlists zahlreicher Indieliebhaber zu landen? Denn das ist beim ersten Album „Days Are Gone“ millionenfach passiert. Wie kommt es, dass das, was bei anderen Künstlern als Stumpfsinn gebrandmarkt wird, bei den Damen aus Los Angeles unter erfrischender Naivität firmiert?

Und es gibt kein Vertun, auch auf „Something To Tell You“ wird die einfache Ansprache gepflegt: „just know that I want you back“ heißt es zu Beginn, ein wenig später „how could you tell me nothing´s wrong?“. Und auch „give me just a little of your love“ kündet nicht gerade von Tiefgründigkeit. Aber, ganz ehrlich, Haim haben es so was von raus, aus solchen Allgemeinplätzen zündende Popsongs zu formen und zwar auf eine clevere Art, die der Einfachheit der Songs nicht im Wege steht.

Da wäre zum Besipiel der mehrstimmige Gesang, dessen einzelne Spuren sich ergänzen und gegenseitig kommentieren. Dies ist dann derart vielseitig ausgearbeitet, dass es einem wohlig schwindelt. Und wer hat behauptet, dass flirrende und sprudelnde Klänge vom Plastikkeyboard nur den Trash- und Bad Taste-Vertretern vorbehalten bleiben sollen? Auch der Bass kleidet sich am liebsten in ein knallbuntes Polyestersakko mit Schulterpolstern. Aber der Grund, warum das bei Haim auch auf dem neuen Album funktioniert ist ganz einfach der, dass die Mädels mit voller Überzeugung agieren.

Besagtes „Want You Back“ legt alles in die Waagschale, was ein leidendes Herz leisten kann, der Gesang steigert sich zwischendrin zu einer Gewehrsalve und das Ding groovt so lässig, dass das breite Grinsen nicht lange auf sich warten lässt. Ähnlich zackig ist „Little Of Your Love“ geraten, die vergnügt angeschickerten Bläser brummeln tief vor sich hin und von den Haim-Schwestern kommt in gesungener Form das Versprechen ewiger Jugend. Die Plakativität von rosaroten Teenageträumen hat halt einen gewissen Reiz, der Titelsong macht das in Wilson Philips-Manier nur allzu deutlich.

Aber es geht auch mal ein wenig schroffer. Ausgerechnet das mit „Kept Me Crying“ betitelte Stück gefällt mit einer angenehmen Kratzigkeit und die Drums dürfen auch mal auf ein gutes Benehmen verzichten. Dennoch gibt es auch in diesem Stück wieder die verführerischen Gesangsparts, die sich anschmiegen und einschmeicheln.

Die aufgeplusterten Streicher von „Found In Silence“ wären dann einer Olympia-Eröffnungsfeier würdig, Haim kokettieren halt gerne mit der übergroßen Geste, behäbig oder plump gerät ihnen indes nichts. Eine Hippieorgel wie in „Right Now“ wird genauso in den Bandsound integriert wie schnittige 90er-R´n´B-Rhythmik, so geschehen in „Ready For You“ und in „Walking Away“.

Haim sind also auch mit „Something To Tell You“ eine sichere Adresse für geschmackvollen aber unbedarften Pop, man lässt sich auch als erfahrener Connaisseur alternativer Klänge nur allzuleicht von den drei Damen einwickeln, zu groß ist die verlockende Aussicht auf ein unkompliziertes Vergnügen. Dass diesmal die Songs nicht ganz so leicht zünden, wie beim Vorgänger, ist da nur ein winzig kleiner Makel., der nicht allzu schwer ins Gewicht fällt, die Leichtigkeit einer herzlichen Popsimplizität ist auch hier ungebrochen betörend.

 

7.0 Stars (7,0 / 10)