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LUCY ROSE: Something´s Changing

( Communion/ Caroline/ Universal) Wenn es der Albumtitel schon so plakativ verkündet, wollen wir auch direkt konstatieren: ja, vieles anders bei Lucy Rose. Wo sie auf dem Vorgängeralbum noch galant mit dem Pop spielte, hat sie sich jetzt als klassische Songwriterin wiederentdeckt, weggegangen vom Majorlabel ist sie obendrein auch noch. Alles neu, alles auf Anfang also.

Da kann es dann auch nicht schaden, wenn man erst einmal ein programmatisches Intro vorweg schickt. Begleitet von einer munteren Harfe umreißt Rose in prägnanten Worten, worum es eigentlich geht, „feelin´it all/ all the good the bad/ the happy the sad/ feelin´it all.“ Auf diesen Wegen bewegt sich Lucy Rose folglich auch auf diesem Album, der Folk steht im Mittelpunkt und damit auch klassische Songstrukturen. Die wehmütige, im fahlen Licht stehende Gitarre begleitet „Is This Called Home“, die Britin legt viel warmen Glanz in ihre Stimme, umschmeichelt und säuselt, ein wirkliches Wohlfühlambiente.

Die Stücke haben also eine sehr klassische Anmutung, nicht nur vom Titel her ist zum Beispiel „Love Song“ ein typischer Vertreter der Herzschmerz-Folkballade und „Moirai“ hat sich nicht nur das Late Night-Klavier von Joni Mitchell geliehen. Man fühlt sich bei bittersüßen Zeilen wie „Moirai you let me down/ you let me down/ you let my love walk away without a fight“ an die Blaupausen des Genres erinnert und das ist soweit auch gar nicht mal verkehrt.

Denn Herz hat Lucy Fox nach wie vor jede Menge, dazu gefällige Kompositionen und eine Stimme, die einen wunderbar einlullt. Und so manchen außergewöhnlichen Einfall besitzt die Dame auch noch. Besagter „Love Song“ gönnt sich zum Ende eine gar nicht betrübte Spritztour durch sommerliche Landschaften und auch „Is This Called Home“ lockert sich mit einem flippigen Schlagzeug auf den letzten Metern auf.

Ansonsten gibt es Gefälliges und Vertrautes, sämtliche Stücke ordnen sich ohne groß zu murren in den unüberschaubaren Kanon der weiblichen Folkmusik ein. Dabei gibt es so manch raffiniertes Detail, wenn sich beispielsweise „Second Chance“ einem genüsslichen Milchkaffeefunk zuwendet, horcht man vergnügt auf. Da auch die sehr konservativen Stücke wie „Floral Dresses“ auf der emotionalen Ebene überzeugen, gibt es nicht wirklich etwas auszusetzen. Es bleibt dann auch jedem Hörer selbst überlassen, ob man etwas mit einer durch und durch soliden Darbietung anfangen kann oder ob einem dann doch das Besondere fehlt. Gut gemacht ist „Something´s Changing“ aber auf jeden Fall.

 

6.5 Stars (6,5 / 10)