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ROZWELL KID: Precious Art

( Sideonedummy/ Cargo) Als Musikliebhaber befindet man sich manches Mal in der Situation, dass man im Zwiespalt feststeckt. Viele, die ihre Teeniezeit um den Jahrtausendwechsel abgesessen haben, liebten den College Rock, Weezer, Jimmy Eat World und so weiter. Diese recht einfache Spielart der Gitarrenmusik passte perfekt zu den hochdramatischen Gefühlsaufwallungen, denen man sich als Pickelgesicht ausgesetzt sah. Man merkte dann im besten Fall ein paar Jahre später, dass diese stürmische Darreichungsform des Rock( manche sagen auch, der wahre Emo) nicht gerade der Tiefgründigkeit letzter Schluss war, schön gescheppert hat´s ja trotzdem.

Was hat also „Precious Art“, dieses Musterbeispiel an Power-Pop, letztendlich und langfristig zu bieten? Vielleicht ist diese Frage aber auch direkt falsch gestellt. Denn diese Art von Musik versucht ja gemeinhin, mit den ersten Tönen für sich einzunehmen. Also auch hier: jede Menge stromverstärkte Melodien mit weichen Harmonien, jaulende, wimmernde aber auch ganz schön sägende Gitarren, Sturm und Drang und ganz viel selbsironischer Herzschmerz. Beim Opener „Wendy´s Trash Can“ funktioniert das sehr schlüssig, zünftig wird die Lunte runtergebrannt und dann los. Auch das herrlich eingängige „Boomerang“ erobert das musikalische Kurzzeitgedächtnis ohne störende Umwege, wunderbar flüssige Gesangslinien, aahs und oohs und ganz viel Emphase. Dass Sänger Jordan Hudkins dabei auch noch eine feine, weiche aber maskuline Stimme besitzt, passt da recht trefflich ins Bild.

Dies ist Musik, in die man sich behaglich hineinlegen kann, man kennt die Strukturen und Klangfarben aus unzähligen Dates mit vergleichbaren Bands, allerdings wird man nun sicherlich nicht mehr überrascht und vergegenwärtigt sich noch einmal, dass dieses Genre nicht unbedingt ein breites Spektrum des Ausdrucks aufweist. Wenn dann nicht die Melodien gewaltig zünden, kann es zu Langeweile kommen.

Und das passiert hier leider doch das ein oder andere Mal. „Total Mess“ strapaziert auf recht eintönige Weise das dem Genre anhaftende Selbstmitleid, rund und ausgewogen aber das sind Wollsocken auch. Auch „Futon“ trägt seine wuchtigen Gitarren zum Auftakt nur zur oberflächlichen Zierde, richtig Pep steckt leider nicht dahinter. „Mad TV“ liegt halbakustisch faul in der Sonne, der warme Klang lullt schön ein, der musikalische Gehalt deckt sich aber mit dem Spannungslevel folgender Textstelle: „watch the neighbour exit for a smoke“, das kann man Alltagspoesie nennen oder auch belanglos.

Auch „UHF on DVD“ kaut gemächlich die College Rock Manierismen wieder, die Nostalgie stimmt einen zwar kurzzeitig freundlich, doch merkt man doch immer wieder, dass es eben auch an den packenden Melodien und Hooks fehlt, von der diese Art Musik lebt. Dass dann auch noch die Texte, wie in „Booger“, seltsam leblos und blass bleiben, ist auch kein Vorteil. Die äußerst eingängie Gitarrenarbeit von „Gameball“ und die Sprödigkeit von „Michael Keaton“ versöhnen zum Abschluss dann aber doch mit einem Album, dass sich zu oft damit begnügt, einem bestimmten Klangbild zu entsprechen, ohne dieses mit wirklich starkem Songwriting auszufüllen. Die Folge ist gemütliche Langeweile und eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Rozwell Kid und ihrem vierten Album.

 

(5,5 / 10)