News

THE TELESCOPES: As Light Return

( Tapete/ Indigo) Steht euch der Sinn nach Düsternis? Ich meine jetzt nicht melancholisch eigefärbte Bedrückung, hier geht es um die rabenschwarzen Abseitigkeiten unter Tage, Kohlenstaub und Schwefel, da, wo kein Lichtstrahl hingelangt. Stephen Lawrie hat mal wieder die Effektgeräte rausgeholt, den Gitarren entloses Feedback und markerschütternde Distortion entlockt und das alles, ohne einer gewissen Zugänglichkeit auch nur das kleinste Zugeständnis zu machen.

Klar, „You Can´t Reach What You Hunger“ kann man noch eine leichte Songhaftigkeit zusprechen, es gibt sogar eine Gesangsmelodie, die einen identifizierbaren Höhepunkt aufweist, dass jedoch bereits hier alles unter Ächzen und Quietschen der manipulierten Gitarren zermalmt wird, zeugt von dem Willen, keine Kompromisse einzugehen. „Down On Me“ weist immerhin eine Akustikgitarre auf, von ländlichem Sonnenschein ist dieses Stück aber meilenweit entfernt. Stattdessen das verqualmte Rauschen eines ausgebrannten Gehirns, die Gleichgültigkeit innerhalb der Katastrophe, das fatalistische Weiterlaufen ohne Ziel. Die Dunkelheit ist in diesen Stücken so dicht und undurchdringlich, dass man es durchaus mit einer gewissen Panik zu tun bekommen könnte, und zwar derjenigen, in einen gähnenden Abgrund gezogen zu werden ohne Aussicht auf Rückkehr.

Dabei ist diese Platte gar nicht mal bösartig, denn eine solche Kategorisierung würde ein gewisses emotionales Engagement bedeuten. Lawrie ist aber bereits jenseits von solchen Ausbrüchen, er kleistert lieber stoisch alles in ein mattes schwarz ein, entfernt Gefühlsregungen und Sentiiment, es bleibt die egalisierende Dunkelheit. Die Gitarren agieren dabei als zuverlässig misstönende Maschinen, die Zahnräder werden durch kleinste Fremdkörper blockiert und selbst der Gesang ist weiter nichts als eine dunkel eingefärbte Tonspur, die sich aller Menschlichkeit zu entledigen versucht.

Konsequenterweise ist das abschließende „Handful Of Ashes“ ein einzelner Störlaut, ein gewaltiger Drone, der sich von Rhythmik und Melodie abwendet, um in das labile Nervenzentrum seiner Hörerschaft ein kolossales Brandzeichen einzuarbeiten. Dies ist am Ende hypnotisierender Krach, eine Absage an die magenmilde Verträglichkeit eingängiger Gitarrenmusik. Wir haben es mit Shoegaze zu tun, der aus einem schwarzen Loch stammt, undurchdringlich und unterkühlt.

 

7.0 Stars (7,0 / 10)