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THIS IS THE KIT: Moonshine Freeze

( Rough Trade/ Beggars/ Indigo) Hört man den ersten Song auf Kate Stables( This Is The Kit) neuem Album, scheint die Eindordnung leicht. „Bulletproof“ ist gefälliger Folk, mit einem Banjo, dessen kristaline Wärme ein nüchternes Bedauern auszudrücken scheint, Stables glockenhelle Stimme verpackt das Stück zusätzlich in seidig weiches Geschenkpapier.

Zum Glück lassen sich Teile des folgenden Albums, welches mit massiver Unterstützung durch Aaron Dessner von The National entstanden ist, nicht so leicht verorten. Der schrammelige Indietouch von „Hotter Colder“ ist ein gefundenes Fressen für die mit einer unterschwellig vorgetragenen Hektik ausgestatteten Gesangsparts. Der Song ist zwar sehr gefasst und diszipliniert, doch es brodelt dank der knarzigen Gitarre immer schön im Untergrund, ein entfesselter Saxophonpart im letzten Drittel lässt sogar einige Schweißperlen auf die Stirn treten.

Mitunter wirkt die Gesangsstruktur bei Kate Stables etwas aus der Form gefallen, reibt sich mit dem melodischen Unterbau. So setzt sich die abschließende Hook vom Titelsong aus Teilen zuvor gesungener Passagen zusammen, es entsteht ein repetitiv vorgetragenes Patchwork, welches viel wirkungsvoller ist, als es ein gängiger Refrain jemals sein könnte. Auch die wie in einem Abzählreim konstruierte Metrik von „Easy On The Thieves passt sich nur leicht sperrig in das Banjozuckerwerk ein, welches für eine süßliche Anmutung sorgt, durch den mechanischen Gesang aber etwas ausgehebelt wird.

Bis hierhin ist man verzückt von den unkonventionellen Kompositionskniffen, ist oftmals angenehm überrascht von den Lösungen, die Kate Stables für ihre Songs findet. Leider setzt sich das in dem Sinne nicht wirklich fort, die Standardanwendungen für Folkmusik werden jetzt immer öfter hervorgeholt. Da huscht „All Written Out In Numbers“ zwar dreampoppig an uns vorbei, Gitarre und Schlagzeug aber fliegen im kuscheligen Autopilot-Modus, es bleibt wenig hängen, da diesmal auch der Gesang nur eine matte Schönheit hinzufügt, die jedoch recht oberflächlich ist.

In „Empty No Teeth“ gibt sich das Banjo dann etwas forscher, scheint das Stück antreiben zu wollen und auch die golden funkelnden Bläser verdichten das melodische Flechtwerk des Stückes, eine tragende Narration besitzt der Song jedoch leider nicht.

Es steht natürlich außer Frage, dass alle Songs von einem ausgereiften Geschmack künden, „Riddled With Ticks“ reduziert seine Noblesse auf eine behutsam gespielte Akustikgitarre und den Gesang, welcher hier als Wiedergänger agiert. Die dargebotene Sparsamkeit an Mitteln hinterlässt an dieser Stelle noch einmal einen nachhaltigen Eindruck, einfach weil man hier das Skelett einer empfindsamen Seele vor sich hat.

„Two Pence Piece“ versucht sich anschließend an rustikaler Handarbeit seitens der E-Gitarre, gleitet aber mit einem glattpolierten „Uhuhuhu“ und warm ausatmender Bläsersektion ein wenig in die Belanglosigkeit, angenehm zu hören ist es aber dennoch.

Da ist auf den hinteren Rängen „By My Demon Eyes“ noch die auffälligste, weil positiv strahlendste Komposition. Der Refrain wirkt wie eine indianisches Dankgebet an eine weise, gütige Gottheit. Natürlich setzt sich Kate Stables hier keinen Partyhut auf, aber eine erquickliche Lebendigkeit macht sich unüberhörbar breit.

„Moonshine Freeze“ ist damit ein äußerst gefälliges Album, das klug und geschmackvoll ausstaffiert ist. Die ersten Stücke der Platte zeigen aber, dass hier noch mehr drin gewesen wäre. Auf der ersten Albumhälfte tummeln sich nämlich ausgefallene Songwriting-Entwürfe, die gerne mal einen Weg gehen, der nicht der naheliegendste ist. So entsteht Reibung und beim Hörer die Lust, sich an diesen Stücken abzuarbieten, sie zu erforschen, hinter die Sperrigkeiten zu steigen. Es ist dann leider bedauerlich, dass dieser Ansatz nicht weitergeführt wird, sondern sittsam sich ins Benehmen setzende Songs fortan dominieren. Toll instrumentiert sind freilich auch diese.

 

6.5 Stars (6,5 / 10)