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TORO Y MOI: Boo Boo

( Carpark/ Indigo) Eine Sache, über die man sich in der Regel freut, ist künstlerische Wandelbarkeit bei einem Musiker. Da ist man immer so schön gespannt, was sich der oder diejenige wohl als nächstes in den Kopf gesetzt hat. Manches mal ist man aber auch enttäuscht, wenn einem der neue Stil nicht so wirklich zusagt oder wenn man die Herangehensweise der letzten Arbeit besonders geschätzt hat und das alles einfach noch mal haben will. Darauf nimmt einer wie Chaz Bundick zweifelsfrei mal so gar keine Rücksicht, Stillstand und das Verharren bei bereits Erforschtem gilt als Sünde für ihn.

Da ist es auch keine große Überraschung, dass die Indierock-Anleihen von „What For?“ schon wieder passé sind. Bundick hat sich so richtig schön mit unterkühlten Klangformen aus dem Syntheziser angefreundet und seine träge schwebenden Pop- und R´n`B Luftblasen geistern durch die in elektrisches blau getauchten Clublandschaften. Hoffentlich besitzen diese auch eine veritable Sitzlandschaft( in weiß, streng geometrisch), so dass man sich zu dieser Musik auch gepflegt darauf rekeln kann.

Dabei legt Chaz einen gesteigerten Wert auf gute Manieren, irgendwelche emotionalen Ausbrüche oder das Fallen aus der streng einstudierten Gastgeberrolle sind ihm ein Graus. Dann lieber die Synthies ein paar neongrelle Quietscher durch die narkotisierte Luft senden lassen, mit unangestrengter Lässigkeit die Vocals vom Auftakt „Mirage“ zum Besten geben und dabei betonen, dass man „high as a kite“ ist. Die Kontrolle über sich und seine Musik behält Bundick aber jederzeit. Dadurch entsteht eine funky Grundstimmung, die aber nicht den schmutzigen Schweiß von Funk ausströmt.

Die Stücke haben in der Regel einen ruhigen, sattsamen Groove und gefallen sich im soft-erotischen Spiel mit einem imaginären Gegenüber. Da ist es eine wohltuende Belebung, dass in „No Show“ der Gesang in den Strophen schnell getaktet ist, die Synthies machen da aber nicht mit, gemäßigter Zeitlupenpop auf der instrumentalen Ebene. Ein absolutes Highlight der Platte folgt mit „Mona Lisa“, hier wirkt alles ein wenig wacher und verbindlicher, als schaute man dem Mastermind von Toro Y Moi einmal hinter die Stirn und fände dort eine durchaus engagierte Hookline.

Den Spagat zwischen unterkühlter Stilhaftigkeit und lockerer Eingängigkeit schafft auch „Don´t Try“. Betont einfach schleicht sich der Rhythmus entlang der synthetischen Klänge, die immer ein wenig auf der Hut zu sein scheinen. Der Umstand, dass sich Bundick niemals so richtig in die Vollen begibt, erzeugt eine irgendwie angenehme Atmosphäre der Unzuverlässigkeit, „give me no ideas/ I just waste them“.

Wir müssten also gewarnt sein, doch eine leise Enttäuschung macht sich trotzdem breit, wenn wir konstatieren, dass die folgenden Songs schlicht und ergreifend in egale Seichtigkeiten abdriften. Die Autotune-Masturbation „Windows“ stellt durch ihren Text den Anspruch, das Kernstück des Albums sein zu wollen( „got me staring out my window/ watching shadows touch the light“) bleibt aber in einer hochstilisierten Bedeutungslosigkeit hängen. Auch das Instrumental „Embarcadero“ kommt nicht über den Status einer Werbeuntermalung für ein mäßig aphrodisierendes Badesalz hinaus, trotz der ausnahmsweise mal griffigeren Instrumentierung.

Leider sind auch „Girl Like You“ und „You And I´“ nicht gehaltvoller als ihre abgeschmackten Songtitel. Uninspirierter R´n´B, der keine eigene Note besitzt. Es sei noch mal erwähnt, dass Bondick genau das teilweise anstrebt, nur macht er es zu Beginn und, zum Glück, auch am Ende der Platte deutlich raffinierter. „Labyrinth“, „Inside My Head“ und das abschließende „W.I.W.W.T.W.“ geben sich wieder deutlich mehr Mühe mit ihrer schmackhaften Inszenierung, vielleicht liegt es daran, dass hier die strenge Formelhaftikeit des Albummittelteils überwunden wird. Freilich sind auch diese Stücke immer noch top gestylt und geben sich keinen wilden Auswüchsen hin, wie gesagt , Chaz Bundick ist auf „Boo Boo“ ein gestrenger Lehrmeister des angebrachten Benehmens. Leider vergisst er dabei manches Mal den doch nicht so unwichtigen Inhalt, form over function scheint da der nicht immer aufgehende Masterplan zu sein.

 

(6 / 10)