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TREVOR SENSOR: Andy Warhol´s Dream

( Jagjaguwar/ Cargo) Es ist geradezu paradox, dass sich nicht nur der Albumtitel, sondern ganze Passagen des Debüts von Trevor Sensor auf den Großmeister der Popart beziehen, eine Kunst, die die ökonomisch verwertbare, glänzende Oberfläche feierte. Dazu kommt dann noch Warhols Spruch der 15 Minuten Ruhm für jedermann und schon steckt man in der Erwartungshaltung von auf Hochglanz poliertem Synthiepop fest.

Doch weiter könnte man nicht von der Realität entfernt liegen. Denn allein schon die nöhlige, roststarrende Stimme von Sensor zeigt an, hier kommt etwas Ungeschöntes, herzergreifend Emotionales auf den Hörer zu, abseits von noch mal durch die Haare kämmen und nachschminken.

Auch die Instrumentierung ist geerdet, schroff und organisch. Tasten- und Saitenwerk werden genüsslich eindringlichen aber subtilen Melodien zugeführt. Direkt zu Beginn in „High Beams“ wohnt man dem Wunder bei, wie sich aus Sensors Genöle eine erhabene Melodie herausschält, das Klavier schmachtet, die Gitarren führen über den wackeligen Steg. „Lion´s Pride“ suhlt sich anschließend in einem Western-Moritat, welches einen Refrain auspackt, der die Decemberists in einer abgetakelten Spelunke erwischt, großes Drama, dargeboten durch schiefe Zähne.

Sensor findet immer wieder diese süffigen Melodien, die mit einem fleckigen Lappen vom versifften Bartresen gewischt wurden und obendrein gibt es dann noch Wendungen, die von einer Bauernschöläue künden, die man Sensor spontan nicht zutrauen würde. In „Stolen Boots“ lässt Sensor sich auf seinem Weg in eine höhere Stimmlage von einer warmen Orgelmelodie begleiten, im Titelsong gibt ein munteres Barpiano den Weg für wabernde Synthies frei, wobei Sensor einen Großeinsatz der kehligen Verzweiflung beisteuert, erhaben, wie gesagt, und von brüchiger Schönheit.

„Sedgwick“ schaut bei „Heroes“ von David Bowie vorbei, bescheidet sich aber mit missgestimmter Malaise, der Druck und der Zug zur flotten Melodie wirkt adurch nur noch aufrichtiger. Generell ist auf „Andy Warhol´s Dream“ nichts gefaked, hier vertraut man noch auf Eisenerz und Holz, der Plastikanteil tendiert gegen null. An solchen Materialen schürft man sich schon mal die Haut ab und man treibt sich auch mal einen Splitter in die Hand aber wir wissen ja spätestens seit der Hornbach-Werbung, dass man dann erst wirklich lebt.

„In Hollywood, Everyone Is Plastic“ gibt sich dann der Dylanesken Enstpanntheit hin, hier steht Sensor das Wasser mal nicht bis zum Hals, meckern kann man ja trotzdem. Und dies ist ja auch nur die Vorbereitung für den einen, großen Moment dieser Platte: „The Money Gets Bigger“ nimmt mit Tändelpiano Anlauf und steht dann im kontrastreichen Scheinwerferlicht, „I´m gonna be someone tonight“. Natürlich ist das die Konklusion über das Sinnieren vergänglicher Berühtmheit aber ein bisschen schwingt sich auch Sensor selbst zu einem abgetackelten Pathos auf, der sich gehörig selbst feiert, und das vollkommen zu recht. Denn Sensor schüttelt auf dieser Platte ergreifende Songs aus dem Ärmel, die als Gegenentwurf zu flüchtigem Ruhm auf handgemachte Nachhaltigkeit setzen und damit genau ins Herz treffen.

 

8.0 Stars (8,0 / 10)