News

BORIS: Dear

( Sargent House/ Columbia) 25 Jahre im Dienste der avangardistischen Noisemusik. Boris aus Japan begehen dieses Jubiläum mit einer Platte, die die Palette dieser einzigartigen Band inspiriert wieder gibt. Klar, da ist natürlich der schwer verdauliche Krach, das Mahlen und Malmen, das brutale Dröhnen, welches sich in den ersten beiden Stücken der Platte als garstiger Drone in die Gehörgänge setzt. Man hat das Gefühl, dass die quälende Langsamkeit ein besonders sadistischer Winkelzug dieser Band ist, und man würde schwerlich ein ganzes Album davon überstehen.

Aber Boris können auch anders: „Absolutego“ ist ein brodelndes Riffmonster mit einem zwar langsamen aber unwiederstehlichen Zug hin zum Alt-Metal-Hit. Auch „Beyond“, partiell mit weiblichem Gesang besetzt, türmt sich zu einer schroffen Noise-Hymne auf und man ist verblüfft, wie Boris sonische Kakophonie mit nachvollziehbarer Eingängigkeit kombinieren.

„Biotope“ gönnt sich dann sogar ein wenig stylische Coolness, gibt sich als lässige Road Rage-Fantasie mit aufgesetzter Sonnenbrille( bei Nacht!) und man wartet eigentlich nur darauf, dass das Stück entweder in sich zusammensackt oder aber explodiert. Doch man hätte es ahnen können, Boris haben eine eigene Lösung dafür, sie lassen das Stück im weißen Rauschen verschwinden, nicht jedoch, ohne einen markanten Refrain hinterher zu schicken.

Und so ist man im Spannungsfeld zwischen brachialen Krachgewalten und melodiösen Nahbarkeiten gefangen, wird das eine mal unsanft umgemäht, an anderer Stelle von klanglicher Schönheit berührt, es gibt solche urgewaltigen Walzen wie „The Power“, die den Hörer förmlich niederringen, es gibt aber beispielsweise in „Dystopia-Vanishing Point“ dieses Gänsehaut erzeugende Gitarrensolo, welches quasi ein Lehrbeispiel für melodiöse Makellosigkeit darstellt.

„Dear“ ist nach 25 Jahren Bandgeschichte ein inspirierter Verweis auf die Bandbreite dieser Band, die zwar einerseits die Musik gewordene Zerstörungswut darstellen kann, jedoch nur allzu oft aufzeigt, dass sie andererseits einen heißen Draht zu musikalischer Eingängigkeit und melodischer Schönheit besitzt.

 

7.0 Stars (7,0 / 10)