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MURA MASA: Mura Masa

( Anchor Point/ Polydor/ Universal) Ihr sagt Mura Masa, ich sag Wunderkind! Alex Crossan hat in seinen 21 Lebensjahren schon so manchen Wirbel verursacht, in den letzten 2 Jahren ließ er den einen oder anderen Hit auf den UK Dance-Underground los. Man erinnere sich an „Firefly“ oder „Lovesick Fuck“, da rumorte es bereits gewaltig in der Szene. Jetzt kann sich Crossan endlich auf Albumlänge austoben und wir können prüfen, ob tatsächlich soviel Talent vorhanden ist, wie vermutet.

Besagtes „Lovesick Fuck“ gönnt sich jetzt eine royale Collabo mit A$ap Rocky“, auf die runtergetunten Calypsoklänge trifft jetzt relaxter Rap, funktioniert fein. Überhaupt hinterlässt „Mura Masa“ den Eindruck, London liege irgendwo südlich von Florida, das Album erzeugt besonders auf der ersten Seite das Gefühl eines karibischen Karnevals, der über eine Gartenmauer zu uns rüber weht. Da ist der Reggaton in „Nuggets“, getragen von den Vocals der Sängerin und Rapperin Bonzai, das groovt bis ins Mark, fordert zu gesteigerter Hüft und Arschwackelei auf und besitzt eigentlich nur den Makel, dass die vielversprechende Hookline ein wenig zu schnell abgewürgt wird.

Alex Crossan haben es vor allem diejenigen karibischen Stilelemente angetan, die sich zur Rhythmuserzeugung und -Verstärkung heranziehen lassen, Steel Drums oder Marimbas, alles da, alles für den lockeren aber groovebetonten Fluss. Man muss dem britischen Youngster schon ein feines Händchen für zündende Unterhaltungsmusik attestieren, „What If I Go“ hält seine soulige Hymnik als Pfand in der Hinterhand, diese wird jedoch vom Autotune ordentlich an die Wand gedrückt. Apropos Stimmenmanipulation: inzwischen nervt es schon ein wenig, wenn der Gesang immer wieder verdreht oder cartoonisiert wird, ein alter Witz inzwischen, da stört auch die Piepsigkeit von „Firefly“, ein cleaner Gesang wäre hier viel wirkungsvoller, so rutscht das Stück in die Trickfilmecke.

„Helpline“ reagiert sich dann erst mal miit einem Punkbeat ab, bevor der Bass eine chiligere Gangart vorschlägt, Tom Tripp liefert eine sonntäglich sahnige Hook, die klar und hell erstrahlt, Feelgood-Musik, die sich immer wieder ein entspanntes Schmunzeln gönnt, fein, wie alles zusammenkommt. Dabei sind die Texte durchaus nicht immer auf der hellen Seite angesiedelt, Liebeskummer in allen Formen ist die Triebfeder etlicher Songs. Da steht das masochistische „Messy Love“ ganz exemplarisch am Anfang, „take me/ brake me/ use me for your messy love“, das dazu die Marimba sonnige Grüße schickt, ein netter Kontrast.

Die interessanteste Kollaboration ist vielleicht die in „Blu“ mit Damon Albarn. Das ganze Album ist ja eher auf der Tanzschiene unterwegs, der nüchterne Gesang vom Blur-Sänger erdet jedoch das Album am Ende in der Ernsthaftigkeit, die textlich ja eh schon die ganze Zeit präsent war.

Man kann also Alex Crossan zu einem detailiert vielseitigen Album gratulieren, die Tracks gönnen sich eine globale Offenheit, und die einzelnen multikulturellen Elemente fließen auch durchaus schlüssig ineinander. Nur kommen manchmal dabei ein wenig abgegriffene Popselbstverständlichkeiten zu Stande, die das kompositorische Talent des jungen Briten nicht völlig ausschöpfen, der massive Einsat von Autotune ist da nur ein Indiz. Trotzdem, farbenfroh und anregend ist dieses Album zu jeder Zeit, tanzen und chillen, schmachten und träumen, geht eigentlich alles auf „Mura Masa“.

 

6.5 Stars (6,5 / 10)